Kommentar zu den aktuellen Protesten im Iran

Spätestens seit dem Maidan und anderen “Farbrevolutionen” wissen wir, dass die Unterscheidung zwischen “böses Regime” und “für Freiheit kämpfende Demonstranten” nicht so einfach ist. Deshalb ist die aktuelle Situation im Iran mit großer Vorsicht zu genießen. Zumal es nach 1953 auch nicht der erste CIA-Militärputsch im Iran wäre. Präsident Trump macht ebenfalls keinen Hehl daraus, dass er am liebsten so schnell wie möglich einen Regime Change in Teheran hätte.

Wenn nun andere Länder vor Einflussnahme von außen warnen, hat das also durchaus seine Berechtigung. Auch das Atomabkommen, das von Trump zwar in Frage gestellt wird, aber vom Iran strikt eingehalten wird, könnte somit kippen. Denn was nach einem “erfolgreichen” Regime Change kommt, weiß kein Mensch. Überhaupt liegt die Vermutung nahe, dass Trump durch das Schaffen von neuen Feindbildern – sei es nun der Iran, oder Nordkorea – von seiner eigenen katastrophalen Bilanz als Präsident im Inland abzulenken versucht.

Und genau das macht die Situation auch so gefährlich. Trump wäre nicht der erste Präsident, der unter falschen Vorwänden einen Kriegsgrund erfindet, um von seinen miserablen Zustimmungswerten im eigenen Land abzulenken. Vor 9/11 waren die Zustimmungswerte von G. W. Bush im Keller. Danach nahm seine Beliebtheit wieder rasch zu. Was folgte, waren der Afghanistan- und Irakkrieg. Deshalb mag die aktuelle Schlammschlacht mit seinem ehemaligen Verbündeten Steve Bannon zwar nicht einer gewissen Komik entbehren, könnte aber am Ende verherrende Folgen haben.

Tatsächlich dürfte die Wahrscheinlichkeit einer Auseinandersetzung mit dem Iran auch wesentlich höher sein, als mit Nordkorea. Aus zwei Gründen: 1.) Der Iran ist keine Atommacht. 2.) Trumps Verbundenheit mit Israel & Saudi-Arabien – den großen Rivalen von Teheran – dürfte gut in die eigenen geopolitischen Überlegungen im Nahen Osten hineinpassen.

Doktorand in International Relations (Forschungsgebiet Migration & Europa) – Corvinus University of Budapest

Master in International Business – University of Economics Prague

Bachelor in Management & Europäische Sprachen – Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

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Über Sebastian Paul 28 Artikel
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