Arbeitsplätze sind keine Rechtfertigung für Krieg

ARBEITSPLÄTZE SIND KEINE RECHTFERTIGUNG FÜR KRIEG

Immer wieder wird damit argumentiert, dass an Grafenwöhr (deutsche) Arbeitsplätze hängen. Doch allein schon aus moralischer Sicht ist das höchst bedenklich. Denn es gibt schlichtweg keine Rechtfertigung für Krieg. Es ist die Moral sowie unser Verständnis über Recht und Unrecht, was uns überhaupt erst zu Menschen macht. Der Krieg widerspricht jedoch komplett der menschlichen Natur und ist das größte Verbrechen, das ein Mensch begehen kann. Auch Konzentrationslager haben einst Arbeitsplätze geschaffen. Ebenso Kinder- und Sklavenarbeit. Dennoch wünscht sich niemand – völlig zu recht – diese Arbeitsplätze zurück. Wir brauchen keine Arbeitsplätze, die darauf beruhen, dass irgendwo anders auf der Welt Menschen getötet werden. Wer so argumentiert, hat das Menschsein aufgegeben.

Dass der Truppenübungsplatz Grafenwöhr zu einem gewissen Grad ein Wirtschaftsfaktor ist, mag zwar stimmen. Aber was wird wohl das syrische Flüchtlingskind, das mit ansehen musste, wie eine amerikanische Bombe seine Eltern zerfetzt hat, dazu sagen, dass seine Eltern sterben mussten, weil ansonsten weniger deutsche Schnitzel konsumiert worden wären? Eine solche Sichtweise ist nicht nur blanker Zynismus, sondern berücksichtigt auch nicht die Folgekosten, die beispielsweise durch die Flüchtlingskrise entstanden sind. Bewahrt euch euer Mitgefühl, eure Empathie und eure Menschlichkeit. Nur so lassen sich der Krieg und dessen menschenfeindliche Ideologie überwinden. Lasst euch nicht gegeneinander ausspielen, indem euch eingeredet wird, dass euer Arbeitsplatz davon abhängt. Es ist die Angst (z.B. der mögliche Verlust des Arbeitsplatzes), die euch lähmt und es euch unmöglich macht, innerhalb von Alternativen zu denken. Dabei gibt es mehr als genug Alternativen.

Grafenwöhr müsste noch nicht einmal geschlossen werden. Es könnte als interkulturelles Zentrum für Völkerverständigung erhalten bleiben. Ein Ort, an dem es amerikanische Geschäfte, Schulen und kulturelle Einrichtungen gibt, die für jeden frei zugänglich sind. Kurzum: ein Friedensprojekt. Es geht auch ohne Krieg, Militarismus und Zerstörung. Arbeitsplätze, die auf dieser Grundlage beruhen, sind nicht nur schlichtweg nicht erhaltenswert, sondern auch gleichzeitig eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen. Was nötig ist, ist ein Konvertierungsprozess. Denn solche Jobs braucht kein Mensch. Dass derart viele studierte Ingenieure, Maschinenbauer, Architekten, etc. in diesem Bereich arbeiten, ist ein Innovationshemmnis. Stattdessen könnten diese Jobs in sinnvolle/produktive Tätigkeiten umgewandelt werden, beispielsweise um die Energiewende voranzutreiben. Anstatt auf Zerstörung zu setzen, wäre es doch viel produktiver etwas aufzubauen sowie auf Nachhaltigkeit zu setzen. Hier wäre der Staat gefragt. Deutschland selbst nach dem 2. Weltkrieg ist ein gutes Beispiel dafür, wie so ein Prozess aussehen kann.

Das Argument mit den Arbeitsplätzen lässt sich nicht aufrechthalten, zumal auch das Thema Digitalisierung berücksichtigt werden muss. Ein Großteil der Jobs wird bald ohnehin verschwinden und das Militär mit seinen Drohnen und Kampfrobotern ist schon heute ein Vorreiter auf diesem Gebiet. Es braucht ein völlig neues Gesellschaftsmodell. Und zwar eines, das friedlich, nachhaltig und umweltschonend ist. Anders wird es nicht gehen.

Bleibt friedlich.

Doktorand in International Relations (Forschungsgebiet Migration & Europa) – Corvinus University of Budapest

Master in International Business – University of Economics Prague

Bachelor in Management & Europäische Sprachen – Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden

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Über Sebastian Paul 28 Artikel
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